Projekt UVCR: Selbstbau eines chromatischen 60/1000mm Refraktors für die Beobachtung im UV-A
 
Aktueller Status: Im Bau
  
 

Bei meiner letzten Mondfinsternis vom 21.1.2019 hatte ich den Helligkeitsverlauf mit zwei Kameras im Visuellen, getrennt nach Rot, Grün und Blau, sowie im Nahen Infrarot gemessen. Das Ergebnis war zwar vorhersehbar aber dennoch interessant: Im langwelligen NIR fiel die Helligkeitsdifferenz zum Vollmond deutlich geringer aus als im  Visuellen. Die stärkste Verfinsterung wurde im Blau erreicht, also bei den kürzesten Wellenlängen.

Wie sieht das nun bei noch kürzeren Wellenlängen aus, also im Ultraviolett? Fällt hier die Verfinsterung des Mondes noch stärker aus? Diese Frage will ich bei der nächsten Mondfinsternis untersuchen. Benötigt wird hierfür eine UV-empfindliche Kamera, die ich bereits habe, sowie ein UV-taugliches Teleskop.

Dazu setzte ich das Selbstbauteleskop UVCR auf. Der "Ultraviolett-Chromat" wird ein einlinsiges 60/1000mm Linsenteleskop für den Betrieb mit meiner modifizierten Sony a7S in Verbindung mit einem UV-A-Passfilter. Bei der genannten Kamera wurde der UV-/IR-Sperrfilter entfernt; somit ist diese auch im UV-A-Bereich von 360 bis 400 nm empfindlich. Hierzu beschaffte ich mir einen entsprechenden UV-A-Passfilter mit Filtergewinde E 67mm. In diesem Wellenlängenbereich sind jedoch viele Glassorten nicht mehr vollständig transparent. Ein viellinsiges Objektiv zeigt diesen Effekt sehr deutlich. Daher vewende erhält der UVCR nur eine einzige Linse: Eine einfache Nahlinse, ebenfalls mit Filtergewinde E 67mm, mit einer Brechkraft von einer Dioptrie. Das entspricht einer Brennweite von 1000 mm. Durch die Linsenfassung ergibt sich eine Eintrittspupille von 60 mm Durchmesser. Damit hat der UVCR die optischen Maße 60/1000mm, F = 16. (Die angegebene Brennweite gilt strenggenommen nur für das Grün, im UV-A liegt ist sie etwas kürzer.)

Bei der Beobachtung einer Mondfinsternis muss Streulicht innerhalb des Teleskops so weit wie möglich vermieden werden. Aus diesem Grund hat der UVCR einen "viel zu großen" Tubus: Mit 100 mm ist der Innendurchmesser 40 mm größer als die Eintrittspupille. Dadurch werden im Strahlengang nur drei Blenden benötigt: eine im hinteren Drittel des Tubus' und zwei im Fokusrohr. Ihre Position und Größe berechnete mir Matthias Knülle im CAD-Programm.
 

 
Die wesentlichen Bauteile: Der Papptubus mit 105/100 mm Durchmesser und 835 mm Länge, ein Aluminiumring mit E 67mm Gewinde zur Aufnahme der Linse und des UV-A-Passfilters, ein Crayford- Fokussierer und zwei CNC-Rohrschellen sowie die modifizierte Sony a7S.


 
Der Tubus besteht aus einem leichten Papprohr mit 2,5 mm Wandstärke. Der Crayford-Fokussierer hatte bei mir über 15 Jahre unbenutzt im Schrank gelegen.
 

 
Der fertige UVCR: Die nächste Mondfinsternis kann kommen. Dann werde ich parallel mit drei Teleskopen mit drei Kameras im UV-A, im Visuellen und im Nahinfrarot beobachten. Doch das dauert noch bis 2025...
 

 
Stand: 9.10.2021
 
<<